Bettina Exß

Bettina Exß

 
 
 
 
 
 

Die erste Woche - Na, das geht ja gut los!

Nach einem trotz lächerlicherlicher 8,5 km nicht ganz unanstrengendem Trainingsauftakt am Waldklassenzimmer folgt erst mal die totale Niedergeschlagenheit. Am Tag nach dem ersten gemeinsamen Training bin ich gleich ins Fitness-Studio gerannt, um meine Kraft zu trainieren. Das ist auch wichtig, sagen die Chefs, und 2004 habe ich das mächtig schleifen lassen. Das soll dieses Jahr anders werden.

Dementsprechend - oder warum auch immer - läuft's beim ersten Lauf "alleine" (Gregor schiebe ich im Babyjogger mit) vor lauter Kraft gar nicht. Es steht zwar ein langsamer Lauf auf dem Plan aber nach einer Stunde im Tempo 7'17" bin ich ziemlich platt.

Und auch im nächsten Anlauf schaffen mich eineinviertel Stunden mit dem Schnitt 7'00" total. Ich bin gefrustet. Leichtes Spiel für einen Magen-Darm-Infekt, der mich zwei Tage völlig umhaut und mir den ersten Volkslauf in Neureut versaut. Wer weiß, wozu's gut war: da wäre ich wohl kaum mit meiner Zeit zufrieden gewesen.

Ein toller Trainingsauftakt: mit 15,5 km weniger als geplant beende ich die erste Woche.

Die zweite Woche - Der Infekt geht, der Frust bleibt

Die Woche drauf beginnt mit zwei Ruhetagen (das kann ich am besten!), denen das erste gemeinsame Krafttraining und ein anschließender Lauf folgt. Beim Krafttraining komme ich sehr gut weg. Ich finde die Stabilisationsübungen halb so wild (da hat mich Rainer aus dem Fitness-Studio schon mehr durch die Mangel gedreht) und Dehnung ist ja ohnehin mein vierter Vorname (ja, ich habe drei).

Guten Mutes ordne ich mich daher in die Gruppe mit dem 6'30"-Schnitt ein, denn nach meiner Vorstellung in der Halle gehe ich mal davon aus, dass mein Schwächeln von letzter Woche nur auf den aufkeimenden Infekt zurückzuführen war. Leider ein Fehlschluss. Der Lauf (keine 48 Minuten) war total anstrengend und ich hab's kaum gepackt. Frustration macht sich breit. Auch Franks Anerkennung beim anschließenden Dehnen über meinen angeblichen Fitnesszustand kann mich nicht aufheitern. Ich beschließe, den Trainingsplan an meine derzeitige Form anzupassen: ich rechne mir aus, welche Strecke ich "normalerweise" in der aufgeführten Zeit zurücklegen würde und laufe nun meine Sollstrecke, nicht aber die Sollzeit. Den ersten langen Lauf (~14 km) absolviere ich mit der langsamsten Gruppe (7'00") und nun tritt endlich ein, wo ich seit zwei Wochen hinterher war: ich fühle mich gut und habe das Gefühl, so noch ewig - oder sagen wir wenigstens noch eine halbe Stunde - weiterlaufen zu können.

Das nächste Experiment verlege ich auf's Laufband und laufe eine Stunde lang bei 1% Steigung mit 6'40"-Schnitt. Es läuft total gut und mein Puls ist mit 145 im grünen Bereich. Langsam komme ich ins Rennen!

Die dritte Woche - Grinsen klappt langsam wieder

Das erste Training geht mir wegen eines Brückentages in der KiTa durch die Lappen (oder wie hätten Sie das mit zwei Kids geregelt?) und beschert mir drei Trainingstage am Stück.

Den ersten mal wieder auf dem Laufband. Langsamen Dauerlauf definiere ich für mich jetzt als 7'00"er Schnitt und die Steigung wächst auf 1,5%. Der Puls bewegt sich zwischen 135 und 150 Schlägen. Der zweite Tag ordnet Krafttraining und Steigerungsläufe über je 500 m an. Vorsichtshalber werfe ich mir eine Tagesration Orthomol Vital f ein und staune anschließend nicht schlecht. Trotz des größenwahnsinnigen Versuchs, mit der 6'30"er Gruppe mithalten zu wollen, werden sogar alle drei Steigerungsläufe von Erfolg gekrönt. Dass ich jeweils als Letzte bei den schnellen Einheiten ankomme, juckt mich nicht. Ich hab' gerade eine Krise überwunden!

Den Wochenabschluss bietet ein zweiter längerer Lauf, den ich vorsichtshalber mit 6'50" angehe und auch mit meiner Zeit von 4'39" für den nach zwei Kilometern eingeschobenen Renn-Kilometer bin ich zufrieden. Reinhard bemerkt auch sofort mein zufriedenes Grinsen nach meiner Ankunft an der Markierung.

Die vierte Woche - Hoppla, jetzt komm' ich!

In dieser Woche wirbeln meine Kinder Reinhards und Franks augeklügelten Plan durch Krankheit und Geburtstag mächtig durcheinander. Geschadet hat's mir offensichtlich nicht. "Versehentlich" renne ich elf Kilometer mit Schnitt 5'55" und sortiere mich zum mittleren Dauerlauf zu Strecken bis 13 km in die 6'15"er Gruppe ein. In meinem Lauftagebuch quittiere ich die Läufe mit Vokabeln von "ging total super" bis "war prima" und gehe mit drei Kilometern über der Vorgabe aus der Woche.